10.02.2016
Kaugummi Klebriger Tausendsassa
Er soll Stress abbauen, Zähne reinigen, vor Übelkeit schützen und ­Patienten nach einer Bauch-OP schneller wieder fit machen. Stimmt das alles?
Jupiter Images GmbH/French Photographers
Besonders lang schmeckt die zähe Masse nicht im Mund. Die Aromastoffe in einem Kaugummi – ob Minze, Zitrone oder Apfel – sind oft innerhalb weniger Minuten verschwunden. Dennoch: Kaugummis sind beliebt wie nie. Satte 647 Millionen Euro Umsatz hat die deutsche Süßwarenindustrie im Jahr 2014 allein mit diesen Produkten gemacht.
Zwischendurch gekaut, liefert der Gummi frischen Geschmack im Mund und hat auch für die Zähne eine positive Wirkung. Das Kauen regt den Speichelfluss an und neutralisiert auf diese Weise schädliche Säuren aus zuckerhaltigen Speisen. Gleichzeitig ergibt sich ein Selbstreinigungseffekt durch die Bewegung von Zungen-, Wangen- und Lippenmuskulatur, den Zahnkontakt und die Spülwirkung des vermehrten Speichels. Wer nach einer Zwischen­mahlzeit keine Möglichkeit hat, Zähne zu putzen, kann von der Reinigungswirkung eines Kaugummis profitieren. Allerdings ist es ratsam, zuckerfreie Produkte zu verwenden. Sie enthalten Zuckeraustauschstoffe wie etwa Xylit.
Bakterien aushungern
Die Bakterien im Zahnbelag können aus Xylit keine schädlichen Säuren bilden. Gleichzeitig fühlen sie sich in solchen Hunger­gebieten nicht wohl und werden weniger. Doch Kaugummis können noch viel mehr. Auf Flugreisen unterstützt das Kauen den Druckausgleich in den Ohren und verhindert das unangenehme Schmerz­gefühl bei Start und Landung.
Forschungen haben bereits vor einigen Jahren Hinweise geliefert, dass das Kauen auch Stress reduzieren könnte. Eine Studie des Psychologen Andrew Paul Smith von der Universität Cardiff (Großbritannien) kam zu dem Ergebnis, dass Kaugummi-Kauer nicht nur niedrigere Stresspegel aufweisen. Sie seien auch seltener depressiv oder wegen Bluthochdrucks und eines erhöhten Cholesterinspiegels in ärztlicher Behandlung. Zudem konsumierten sie weniger Alkohol und Zigaretten.  Diese Untersuchung wurde von einem großen Kaugummi-Hersteller finanziert.
Eine Arbeit seiner Kollegin Kate Morgan lässt vermuten, dass KaugummiKauen auch die Konzentrationsfähigkeit und die Aufmerksamkeit positiv beeinflussen könnte. Obwohl frühere Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen kamen, ist die These umstritten, da andere Studien diese vermeint­lichen Vorteile nicht belegen konnten.
Verdauung ankurbeln
Für den Verdauungstrakt kann der Kaugummi wiederum tatsächlich hilfreich sein. Wissenschaftler der angesehenen Cochrane Collaboration kamen bei der Durchsicht von 81 Studien unlängst zu dem Ergebnis, dass das Kauen nach Bauch-Operationen dazu beiträgt, die Verdauung rascher wieder anzukurbeln. Weil die Verdauung stark vom vegetativen Nervensystem gesteuert ist, beginnt sie bereits im Mund. Durch die Kautätigkeit starten die Spei­cheldrüsen mit der Produktion und fördern die Bewegung des Magen-Darm-Traktes. So kann das Kauen nach dem Essen nicht nur die Mundpflege unterstützen, sondern auch die Verdauung ankurbeln und Sodbrennen vorbeugen.
Zudem gelten Kaugummis seit vielen Jahren als unverzichtbare Arzneiträger: Auf Reisen beispielsweise helfen Produkte mit Wirkstoffen gegen Übelkeit und Erbrechen. Beladen mit Nikotin, können Kaugummis Raucher dabei unterstützen, schrittweise von der Zigarette loszukommen.
Kunststoff oder Latex?
- Herkömmlicher Kaugummi besteht meist aus einer verträg­lichen Kaumasse auf Kunststoff­basis, angereichert mit Zucker oder Zucker­ersatzstoffen sowie unter­schied­lichen Füllstoffen, Weich­achern, Aromen und Emulgatoren.
- Ökoprodukte werden dagegen meist aus Chicle hergestellt, einer Substanz, die aus Latex, dem Saft des tropischen Breiapfelbaums, gewonnen wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kaugummis zersetzen sich diese Produkte in der Natur. Die andersartige Konsistenz ist für den Konsumenten allerdings gewöhnungsbedürftig.

09.02.2016
Brustkrebs Gefahr durch Alkohol
Wer Alkohol konsumiert, erhöht sein Risiko, an Brustkrebs zu erkranken
Thinkstock / iStock
Alkohol ist ein Risikofaktor für Brustkrebs. Ab mehr als einem Glas Wein täglich steigt das persönliche Risiko messbar. Das ergab eine im Fachblatt International Journal of ­Cancer veröffentlichte Studie mit Daten von rund 300. 000 Teilnehmerinnen. Wer den ­­Alkoholkonsum einschränkt, beugt laut den Forscherinnen effektiv Brustkrebs vor.

08.02.2016
Immunsystem Gemeinsam gesünder
Einsamkeit kann Abwehrzellen des Körpers beeinflussen, zeigten Wissenschaftler in einer Studie
Thinkstock/iStockphoto
Alleine zu sein macht nicht nur traurig. Auf Dauer macht es krank. Nicht nur durch höheren psychischen Stress oder schlechten Schlaf – Einsamkeit schlägt sich auch auf molekularer Ebene nieder. Wie, das haben nun Forscher im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences beschrieben. Demnach verändert sich bei einsamen Menschen die Genaktivität in bestimmten Abwehrzellen. Entzündungen im Körper werden dadurch gefördert, die Immunabwehr wird gehemmt. Für ihre Ergebnisse verglichen die Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Los Angeles die Genaktivität in den Abwehrzellen von 141 Menschen.